PERSÖNLICH Eine sichere Bank!

Der Dichter Theodor Fontane weiss Bescheid: «Ich bin immer, auch im Leben, für Ruhepunkte. Parks ohne Bänke können mir gestohlen bleiben.»

Oben im Wald am Hönggerberg gibt es sie zuhauf. Diese Holz gewordenen Ruhepunkte. Wenn ich durch den Wald streife, freue ich mich, sie zu sehen. Meistens setze ich mich nicht drauf. Und ich sehe dort oben viele Velofahrende, Jogger:innen oder Hunde-Spaziergänger:innen. Aber selten sehe ich Menschen auf den Bänken sitzen.

Ich kenne es ja selber… Der Spaziergang ist ziemlich genau auf 30 Minuten oder eine Stunde getimt, da sind keine fünf Minuten Bankschwärmereien drin vorgesehen. Warum eigentlich nicht (mehr)? Eine meiner angehenden Jungleiterinnen erzählte in unserer letzten Sitzung zum Thema Spiritualität von ihrer Lieblingsbank. Mit Alpenblick, darüber nur der blaue Züri-Himmel. Neidvoll dachte ich mir: Du brauchst auch noch eine Lieblingsbank!

Denn Spiritualität trifft es eigentlich schon ganz gut. Der Fontanesche Ruheort Bank kann uns Wege eröffnen. Wege, die Stillstand und Innehalten brauchen, um sichtbar zu werden. Natürlich ist der Ruheort nicht das Ziel. Aber wie im Auto mit 200 km/h auf der Autobahn können wir mit zunehmender Geschwindigkeit auch im Leben nicht mehr jeden Weg wahrnehmen. Und manchmal führen nur die kleinen, gewundenen Wege dorthin, wo es
sich zu leben lohnt. Zu neuen Ufern. Oder zu ganz altbekannten, die wir nur vergessen haben. Wenn ich mich hin und wieder hinsetzen und schauen kann, wo der Weg, ja all die vielen guten und segensreichen Wege in meinem Leben eigentlich vor mir liegen, dann kann ich aufatmen und muss nicht rasen, Sackgasse voraus…

Ja, ich brauche noch dringend eine Lieblingsbank – sagen Sie mir doch gerne Ihre!

DenkMal von PFARRER MAX SCHÄFER
Dieser Beitrag wurde fürs reformiert.lokal im Mai 2026 verfasst. Sie finden die Ausgabe hier.