Willkommen zur Mitsingwienacht am kommenden Sonntag

Drinnen, im Zwinglisaal des reformierten Kirchgemeindehauses, ist an diesem späten Nachmittag Ende November hinter der verschlossenen Türe leise ein Klavier zu hören, eine wohlklingende Männerstimme singt dazu Weihnachtslieder: Kantor Peter Aregger bereitet sich auf die bevorstehende Probe mit dem Kinderchor vor. Derweil füllt sich das Foyer des Kirchgemeindehauses zusehends mit den jungen Sängerinnen und Sängern, von den kleinen Kindergärtlern bis hin zu den Sechstklässlern. Von Minute zu Minute nimmt das Gewusel und Gewimmel zu, hier fangen ein paar Jungs an zu raufen und müssen zur Ruhe ermahnt werden, dort wird noch schnell der Rest des Zvieris verdrückt. Die Eltern der Kleineren sortieren Schals, Handschuhe und Winterjacken auf die Garderobehaken und weisen ihre Zöglinge an, noch einmal kurz auf die Toilette zu gehen.

Ein buntes Stimmengewirr, zunehmende Aufregung, bis Kantor Aregger aus dem kleinen Saal ins Foyer tritt und Kinder und Eltern begrüsst. Wie ein Schwall ergiesst sich daraufhin die Kinderwoge in den Probenraum. Ein jeder sucht sich seinen Platz, es sind fast 100 Kinder, die in den Raum drängen. «Dieses Jahr», so erklärt Katechetin Tanja Loepfe, «ist der Kinderchor besonders gross, das freut uns sehr.» Sie ist Aregger dabei behilfl ich, die Chorprobe mit den Kindern aus Kiki, Unti 2 & 3, Treff4, Club5 und den sechsten Klassen zu koordinieren.

Bekannte Lieder, beliebte Melodien

Der Kantor stimmt das erste Lied an, das Plaudern verebbt, die Kinderschar stimmt mit ein. Die meisten der Kinder sind konzentriert bei der Sache. Überraschend harmonisch klingt dieser vielstimmige Chor – und das, obwohl bis jetzt erst einmal gemeinsam in der grossen Besetzung geprobt wurde. Die CD mit den Liedern, die jedes Kind zum Üben mit nach Hause bekommen hat, hat ihren Zweck offensichtlich erfüllt. Die Songs stammen von Andrew Bond, einige davon waren auch schon in vergangenen Jahren an der Mitsingwienacht zu hören. «Esel lauf mit, Schritt für Schritt, langsame Tritt, de Wäg nach Bethlehem isch wiit», ist ganz eindeutig das Lieblingslied aller Kinder. Hier singt jeder nach Leibeskräften mit. Geduldig geht Aregger Stück für Stück mit den Kindern durch.

Lässt zwischendurch die Konzentration der Kinder nach, lässt sie Aregger kurz aufstehen, das verringert die Unruhe im Saal. Nach einer Dreiviertelstunde ist die Probe beendet, die Mütter und Väter warten bereits im Foyer auf ihren Nachwuchs.

Theater der Sechstklässlerinnen und -klässler

Zur gleichen Zeit beginn im grossen Saal die Theaterprobe für die Sechstklässlerinnen und -klässler. Pfarrer Markus Fässler schiebt auf der Bühne gerade noch die Wolken-Kulissen hin und her, während die Tontechniker, zwei ehemalige Konfirmanden, die Mikrofone testen. Langsam trudeln die Protagonistinnen und Protagonisten des Stücks ein. Dieses Jahr werden etwas weniger junge Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne stehen als auch schon. «Der diesjährige Unti-Jahrgang ist relativ klein, insgesamt sind es bei den Sechstklässerinnen und -klässlern nur 25 Kinder. Bei den Vorbereitungen auf die Mitsingwienacht konnten die Kinder auswählen, ob sie beim Bühnenbild mitarbeiten, in der Band spielen, im Chor singen oder als Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne stehen wollen. Nicht allen behagt das Theaterspiel, deswegen sind in diesem Jahr nur elf Kinder darstellerisch tätig», erklärt Fässler. Gespielt wird das Stück «De Himmel chunnt uf d Erde» von Andrew Bond, musikalisch begleitet von der Band und dem Kinder-, alias Engelchor.

Der Engel, der aus der Reihe tanzt

Fässler versammelt seine Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne und erklärt, worauf es ihm bei der Probe ankommt.«Heute», so schlägt er vor, «spielt ihr das Stück einmal auswendig durch.» Aus den Reihen der Kinder kommt zaghafter Protest, nicht alle sind sicher, dass sie den Text schon beherrschen, schliesslich haben auch sie erst einige wenige Proben gehabt. «Mir sind Textunsicherheiten lieber, als dass ihr ständig am Skript klebt», beruhigt Fässler sie. Ein wenig zurückhaltend beginnen die Jugendlichen zu spielen, gewinnen jedoch rasch an Sicherheit. Engagiert sind sie bei der Sache und spielen die humorvolle Weihnachtsgeschichte, für einmal aus der Perspektive der Engel, die auf die Erde kommen und den Menschen die frohe Botschaft zu verkünden haben.

Zetnael, einer der Engel, tanzt dabei immer etwas aus der Reihe, singt die weihnachtlichen Lieder etwas schräger als die anderen und kann zu allem Überfluss auch noch seinen Heiligenschein nicht mehr finden. So verpasst er die Abreise der Engel auf die Erde und muss ihnen alleine hinterherfliegen. Doch ohne jetzt bereits zu viel der Geschichte verraten zu wollen, am Ende wird alles gut – und alle sind beim neugeborenen Jesuskind im Stall versammelt.

Viel Publikum am 17. Dezember
Die ganze Geschichte gibt es dann am 17. Dezember zu sehen. Dann wird der grosse Saal hoffentlich wieder bis zum letzten Platz gefüllt sein mit stolzen Eltern, gerührten Grosseltern, neugierigen Geschwistern und interessierten Freunden und Bekannten. Feierlich und aufgeregt werden die 100 singenden Engel dem Sternträger in den Saal folgen und aus tiefstem Herzen «En alte Stern» anstimmen. Für eine Stunde wird die Mitsingwienacht das Publikum verzaubern. Und danach kann Weihnachten kommen

(Text Dagmar Schräder, Höngger)